Deutschen Bienenwoche: Gemeinsam für die Artenvielfalt in Niedersachsen und Bremen
Lebensraum Golfplatz: Niedersachsen blüht auf
Die Initiative "Lebensraum Golfplatz" vereint bundesweit Golfsport, Verbände, Politik und Naturschutz. Golfplätze bieten nicht nur Sport, sondern auch große Grünflächen, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen und aufwerten. Der Deutsche Golf Verband (DGV) fördert seit Jahren Umwelt- und Qualitätsmanagement auf Golfplätzen. Programme wie "Golf&Natur" zeigen, wie Platzpflege, Ressourcenschutz und Artenvielfalt harmonieren. Ziel ist die konsequente Verbindung von Sport und Ökologie.
Beispiele aus dem Golf Park am Deister, dem GC Syke und dem Achimer Golfclub verdeutlichen den Ansatz. Überall entstehen naturnahe Bereiche, die extensiv gepflegt oder aus der intensiven Nutzung genommen werden. Blühflächen, Streuobstwiesen, Hecken, Gewässer, Totholz, Nistkästen und Insektenhabitate bieten Lebensräume für Vögel, Wildtiere und Insekten. Die Clubs setzen auf bewussten Umgang mit Wasser, Dünger, Pflanzenschutzmitteln, Energie und Maschinen. Die Umsetzung variiert je nach Standort, bleibt aber vergleichbar: Golfanlagen entwickeln sich als Sportstätte und Naturraum.
In mehreren Bundesländern entstehen Kooperationen. In Baden-Württemberg setzen Verband und Clubs freiwillig Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität um. In Bayern ist der Bayerische Golfverband seit 2020 Teil der Blühpakt-Allianz mit dem Umweltministerium. Dort geht es um naturnahe Flächen, weniger Pflanzenschutzmittel, heimische Pflanzen und mehr Lebensräume für Insekten. Golfanlagen können sich als „Blühender Golfplatz“ auszeichnen lassen. Beratung und Fördermöglichkeiten begleiten den Weg.
Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz wird der Ansatz ministeriell begleitet. Dort steht das DGV-Programm „Lebensraum Golfplatz – Wir fördern Artenvielfalt“ im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Umweltministerien beziehungsweise Landesregierungen unterstützt es die fachliche Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen auf Golfanlagen. In Nordrhein-Westfalen stärkt eine Kooperation von DGV, Golfverband NRW und dem Umweltministerium den Ansatz. Im Fokus stehen naturnahe Flächen wie Blühwiesen und vernetzte Lebensräume, die Nahrung und Schutz für Pflanzen- und Tierarten bieten.
In Niedersachsen arbeiten Golfverband, NABU und DGV zusammen. Der DGV setzt den Rahmen und bringt sein Umweltprogramm ein. Der Golfverband Niedersachsen-Bremen koordiniert die Clubs, während der NABU regionale Expertise liefert und Biodiversitätsprojekte entwickelt. Die Zusammenarbeit ist praxisnah und eng mit dem Naturschutz verzahnt. Sie zeigt, dass Golfanlagen mehr als Sport bieten können. Wenn Pflege, fachliche Begleitung und Engagement zusammenkommen, entstehen dauerhafte ökologische Funktionen.
Bannerträger Biene
Die Biene symbolisiert Artenvielfalt. Honigbienen profitieren auf vielen Golfanlagen von Blütenreichtum und naturnaher Lage. Wildbienen sind jedoch besonders wichtig für den Naturschutz. Viele Arten leben nicht im Staat, sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und brauchen sandige Stellen, Totholz oder Baumstämme zum Nisten. Fehlen diese Strukturen, verschwinden die Bestäuber und damit bestimmte Pflanzen.
Die Deutsche Bienenwoche vom 18. bis 24. Mai 2026 greift das Thema zum Weltbienentag unter dem Motto „Just bee there“ auf. Unterstützt von DGV und Landesgolfverbänden können Clubs Aktionen nutzen, um Spenden für Biodiversitätsprojekte zu sammeln. Der Erlös bleibt beim jeweiligen Club. Botschafter der Aktionswoche ist Bernhard Langer.
Golf Park am Deister
Der Golf Park am Deister versteht seine Anlage als Sportfläche und Lebensraum. Der Boden fordert den Club bei Pflege und Bauunterhaltung heraus. Zugleich entwickeln sich neue Lebensräume schnell und stabil. Seit der Übernahme 2019 lag der Fokus auf Infrastruktur und wirtschaftlicher Stabilität. Inzwischen treibt der Club die ökologische Weiterentwicklung voran.
Ein Schwerpunkt gilt dem Vogelschutz. Der Eisvogel, Wappentier des Golf Parks, findet an den Teichen gute Bedingungen und ist heimisch. Sing- und Greifvögel nutzen die Anlage ebenfalls. Milane und Falken profitieren vom angrenzenden Wald und zusätzlichen Ansitzmöglichkeiten. Auch Hasen, Rotwild und Insekten leben in den naturbelassenen Bereichen.
Beim Wasser setzt der Club auf langfristiges Management. Rund 90 Prozent des Bedarfs stammen aus Regenwasser. Entwässerungsgräben wurden instand gesetzt und teils renaturiert. Natürliche Teiche entschärfen Überschwemmungsbereiche bei Starkregen. So entstand ein Speicher- und Förderteichsystem mit rund 16.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Ein weiterer sanierter Teich kann zusätzlich etwa 3.000 Kubikmeter zwischenspeichern.
Die Landschaft des Golf Parks ist Ergebnis jahrelanger Pflanzarbeit. Auf früher landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden rund 5.000 Bäume und 10.000 Büsche gesetzt. Ein Schwerpunkt liegt auf alten heimischen Obstsorten. Jüngstes Beispiel: 25 alte deutsche Obstbäume, gepflanzt von Mitgliedern und Unterstützern.
Seit diesem Jahr arbeitet der Golf Park mit einem Imker zusammen, der drei Bienenvölker betreut. In den kommenden Jahren will der Golf Park Gräben zu Biotopen entwickeln, Randbereiche aufwerten und den Naturschutz sichtbarer machen. Ein Schwerpunkt 2026 ist die Unterstützung der Landesgartenschau. Dort soll die Verbindung von Golf, Natur und Ressourcenmanagement erlebbar werden.
GC Syke
Der Golfclub Syke zeigt, wie frühere Agrarflächen zu einem vielfältigen Naturraum heranwachsen. Die Anlage verbindet Sport, Landschaftspflege und Artenschutz. Seit 2008 beteiligt sich der Club am Umweltprogramm "Golf&Natur". Intensiv bearbeitet werden nur rund 2,5 Prozent der Fläche, vor allem Abschläge und Grüns. Der Rest bleibt naturbelassen oder wird extensiv gepflegt.
In den vergangenen Jahren setzte der Club Maßnahmen für mehr Biodiversität um. Dazu gehören Natur-Ruhezonen, Blühwiesen, Bienenstöcke, eine Streuobstwiese und Nistkästen. Totholzhaufen und Benjes-Hecken schaffen Lebensräume für Insekten und Kleintiere. Naturbelassene Randstreifen an Teichen und Gräben verbessern die Bedingungen für Libellen und andere Insekten.
Ein ornithologisches Gutachten bestätigte die Bedeutung des Golfplatzes als Lebensraum für zahlreiche Vogelarten. Mäusebussarde, Nachtigallen und Turmfalken finden hier gute Bedingungen für Nahrungssuche und Nestbau. Auch Rehe, Hasen, Igel und Füchse nutzen die Anlage als Rückzugsraum.
Die zunehmende Trockenheit fordert den Club heraus. Deshalb modernisierte er die Beregnungsanlage. Neue Rohrleitungen, Feuchtigkeitsmesssensoren und einzeln ansteuerbare Regnerköpfe erlauben gezielte Bewässerung. Wetterstationen unterstützen die Steuerung des Wasserverbrauchs.
Auch bei Energie und Maschinenpark geht es voran. Auf der Greenkeeping-Station produziert eine Photovoltaikanlage Strom, eine weitere ist geplant. Der Anteil hybrid- und elektrisch betriebener Maschinen soll steigen. Ergänzend plant der Club Ladestationen für Elektrofahrzeuge.
Der Golfclub Syke versteht die ökologische Entwicklung als fortlaufenden Prozess. Der Platz ist Sportstätte und Naturraum zugleich.
Achimer Golfclub
Der Achimer Golfclub verbindet Golf in naturnaher Landschaft mit klarem Umweltmanagement. Seit 2009 trägt der Club im Programm "Golf&Natur" Gold. Seit 2016 sind Schutz und Entwicklung von Natur und Umwelt in der Satzung verankert.
Im Mittelpunkt stehen ressourcenschonender Betrieb, bewusster Umgang mit Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie die Weiterentwicklung von Pflege und Landschaft. Nachhaltigkeit zeigt sich in Projekten und Pflegeaktionen.
Seit 2025 ist der Achimer Golfclub offizielles NABU-Mitglied. Bereits im Herbst 2024 und erneut 2025 reinigten Mitglieder mit dem NABU die Nistkästen. 2025 hängten sie zudem rund 50 neue Kästen auf. Die Standortplanung erfolgt in Abstimmung mit dem Naturschutzbund.
Besonders eng ist die Kooperation beim Thema Wildbienen. Zwei Sandarien, am 24. April 2026 beim Bio-Regio-Turnier eingeweiht, entstanden in Abstimmung mit einer NABU-Expertin. Zur Deutschen Bienenwoche 2026 folgt der Bau einer Wildbienen-Steilwand für Arten wie Sandbienen und Mauerbienen.
Die Steilwand besteht aus 24 Weinlagersteinen, ist rund 2,90 Meter breit und etwa einen Meter hoch. Befüllt wird sie mit speziellem Substrat von wildbiene.com. Der Standort liegt an der Südseite der Anlage, direkt neben den Sandarien. So entsteht ein Biodiversitäts-Cluster für heimische Wildbienenarten.
Das Projekt entsteht gemeinsam mit Mitgliedern. Bei einem Mitmach-Baunachmittag wird die Steilwand aufgebaut. Interessierte können Patenschaften für Steine übernehmen. Fachlich begleitet die NABU-Wildbienen-Expertin das Vorhaben.
Das Engagement zeigt sich in der Pflege der Streuobstwiesen und Heideflächen. Bei der Apfelernte sammelten Mitglieder fast zehn Zentner Äpfel und pressten rund 320 Liter Saft. Die Erlöse fließen in Naturprojekte. Auf den Heideflächen helfen Mitglieder beim Entkusseln.
Zudem ist der Achimer Golfclub Teil des Forschungsprojekts "GolfBiodivers". Auf 21 Teilflächen wurden mehr als 4.000 Quadratmeter ökologisch aufgewertet. Dort entstehen Flachlandmähwiesen mit Wildblumen, Blühstreifen und strukturreiche Übergänge. Das Projekt läuft bis 2029 und wird wissenschaftlich begleitet.
Auch die Clubgemeinschaft bleibt über den Club der Naturfans eingebunden. Durch Pflegeaktionen und Naturprojekte mit Kindern verbindet der Achimer Golfclub Umweltmanagement, Artenvielfalt und Mitgliederengagement und entwickelt seine Anlage als Lebensraum weiter. (Foto: DGV/stebl)
